Sonntag, 30. Oktober 2011

memento mori 5

Auch diese ungewöhnliche Uhr aus dem Jahr 1810 sollte daran erinnern, dass die Lebenszeit endlich ist.         

Daraus allgemeingültige Schlüsse zum damaligen  Umgang mit  Leben und Sterben ziehen zu wollen, wäre allerdings zu kurz gegriffen....


Memento Mori Death Watch 181
Uhren dieser Art wurden mit Sicherheit nur in den wohlhabenden herrschenden Kreisen getragen......

.... durch die schlechten Lebens-und Arbeitsbedingungen war in dieser Zeit, beim größten Teil der ärmeren Stadt- und Landbevölkerung, das Sterben so gegenwärtig, dass die vermutlich keine aufwändig gearbeitete Uhr brauchten um an die Begrenztheit ihres Lebens erinnert zu werden. 


Damals wie heute ist (Angesichts des real existierenden Leidens in der Welt) die  Auseinandersetzung mit dem Thema Lebenszeit und Sterben, auf einer abgehoben künstlerischen Ebene, der reinste Luxus. 

Will mich bemühen, diesen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren.

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Freitag, 28. Oktober 2011

Nichts geht - auch die Zeit geht nicht

Eben gerade aus dem Atelier gekommen und festgestellt, dass heute wieder mal ein Tag ist, an dem "nichts" geht....
Das heißt: an der Lebenszeit-Uhr gearbeitet, gemalt, verändert,neues versucht, wieder verworfen. 
Habe die Erfahrung gemacht, dass es in solchen Situationen gut ist aufzuhören. Wenn die Zeit reif ist, werde ich wissen wie es weiter geht - und die Arbeit wird wieder fließen. 
 
Irgendwie geht es immer weiter - und als "Pilger durch die Zeit" sollte ich vielleicht dankbar dafür sein, dass ich im Augenblick keine anderen Sorgen habe als diese.
 

Die Zeit geht nicht

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karavanserai,
Wir sind die Pilger drin.

Ein Etwas, form- und farbenlos,
Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht,
Bis wieder ihr zerrinnt.
Uhrwerk
Quelle:www.gedichte-lyrik-poesie.de
Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein
Und ein Jahrhundert nichts.

Es ist ein weißes Pergament
Die Zeit und Jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf
Bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt,
Du Schönheit ohne End',
Auch ich schreib meinen Liebesbrief
Auf dieses Pergament.

Froh bin ich, daß ich aufgeblüht
In deinem runden Kranz;
Zum Dank trüb' ich die Quelle nicht
Und lobe deinen Glanz!

Gottfried Keller, 1819-1890


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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Alles hat seine Zeit.....


    Prediger Kapitel 3 Vers 1-8

    Alles hat seine Zeit
    und jegliches Vornehmen
    unter dem Himmel seine Stunde.
    Geborenwerden hat seine Zeit,
    und Sterben hat seine Zeit;
    Pflanzen hat seine Zeit,
    und Gepflanztes ausreißen hat seine Zeit.
    Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit;
    Zerstören hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit.
    Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit;
    Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit.


    Steine schleudern hat seine Zeit,
    und Steine sammeln hat seine Zeit;
    Umarmen hat seine Zeit,
    und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit.
    Suchen hat seine Zeit,
    und Verlieren hat seine Zeit;
    Aufbewahren hat seine Zeit,
    und Wegwerfen hat seine Zeit.
    Zerreißen hat seine Zeit,
    und Flicken hat seine Zeit;
    Schweigen hat seine Zeit,
    und Reden hat seine Zeit.
    Lieben hat seine Zeit,
    und Hassen hat seine Zeit;
    Krieg hat seine Zeit,
    und Friede hat seine Zeit.


    Auch eine Kunst: nicht durchs Leben zu rennen sondern mal innezuhalten, Bilanz zu ziehen, zu überdenken, neu zu orientieren -  bin heute zufrieden......


    .


    Dienstag, 25. Oktober 2011

    Es scheint zu funktionieren.....


    Bis vor kurzem wusste ich noch nicht mal was ein blog ist, jetzt schreibe ich in einem........

    ...als Mittel zum reflektieren der eigenen künstlerischen Arbeit,
    ...als Ansporn, das selbst gestellte Thema Lebenszeit-Uhr wirklich auf unterschiedlichen     Ebenen zu bearbeiten                                                                                                        ...und natürlich auch als Medium über das andere Menschen an meinem Kunst-Projekt        teilhaben können...

    Es scheint wirklich zu funktionieren - auch wenn ich kein Freund von Statistiken bin, stimmt die bisherige Zahl der Seitenaufrufe (und Rückmeldungen), nach dreieinhalb Monaten, für den Anfang doch hoffnungsvoll.


    Seitenaufrufe nach Land (Quelle blogger.com)
    Germany.......................................
     1.022
    United States
    .....................................55
    Switzerland........................................
    31
    Austria................................................
    21
    Russia................................................
    17
    Latvia...................................................
    8
    United Kingdom...................................
    6
    Ireland..................................................
    3
    France..................................................
    2
    Poland..................................................
    2
           

    Samstag, 22. Oktober 2011

    Erkenntnis

    Habe heute im Atelier neben der Lebenszeit-Uhr mal wieder angefangen an einer kleineren Leinwand frei zu arbeiten.....

    frei meint: 
    von fertigen Bildern im Kopf lösen, Formen und Farben folgen Emotionen,einfach treiben lassen..... ohne Vorgabe, ohne Thema..

      











    zum 
    Beispiel
    "Blau" 
    eine
    Arbeit 
    aus
    dem 
    Jahr
    2010







                        
    Habe heute beim entspannten Malen an der anderen Leinwand festgestellt, daß meine Arbeit an der Lebenszeit-Uhr in letzter Zeit zu stark kopfgesteuert war. 
    Das macht unfrei, blockiert,  ist nicht mein Weg....

    Will jetzt mehr darauf achten, daß ich mich bei der weiteren Arbeit an der Uhr nicht selbst unnötig einenge.



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    Freitag, 14. Oktober 2011

    Gott und die Welt .......

    Nachdem ein freundlicher Besucher mit mir lange über die Arbeit an der Lebenszeit-Uhr gesprochen hatte, fragte er abschließend ,was ich vom Psalm 139 halten würde....

    Die Frage schien für ihn normal, zumal er sich als Mann des Glaubens jeden Tag beruflich mit religiösen Fragen befasst - aber er fragte ausgerechnet mich, einen aus der Kirche ausgetretenen Skeptiker, der noch nie etwas von diesem Psalm gehört hatte.


    Weil ich im Zusammenhang mit der Arbeit an der Lebenszeit-Uhr versuche, das Leben aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten, sorgte diese Frage allerdings dafür, daß ich mich drei Tage lang mit dem Text des Psalms und Glaubensfragen im Allgemeinen auseinandersetzte. 


    Trotz Erkenntnisgewinns blieben viele Fragen ohne Antwort...  es gab keine Gewissheit, noch nicht einmal Glauben.......  

    Nachdem es mir nicht gelungen war, mal eben so nebenbei die großen Sinnfragen des Lebens zu klären, habe ich mich dann erstmal einer einfacheren Aufgabe zugewandt und ein kleines Gewächshaus zum Überwintern von Pflanzen aufgebaut....

    Also auf das wesentliche konzentrieren - weitermachen, morgen geht´s nach der Unterbrechung wieder ins Atelier. 

    -

    Sonntag, 9. Oktober 2011

    Meine Lebenszeit-Uhr wird etwas kleiner........

    Beim Stöbern im Internet bin ich bei Wikipedia auf das Zeitrad - die größte Sanduhr der Welt gestoßen...

    Sie steht in Ungarns Hauptstadt Budapest .  Der Erfinder des Zeitrades ist János Herner.

    Bilder und Textauszüge Wikipedia


     Das Zeitrad ist ein Rad mit einem Durchmesser von 8 m, bei einer Breite von 2,5 m. Das Gesamtgewicht der Uhr beträgt 60 Tonnen.

    Als Materialien wurden Edelstahl, Sicherheitsverbundglas und roter Granit verwendet. 
    4,5 Kubikmeter Glasgranulat rieseln durch diese monströse Uhr.






    Der Kulturhistoriker und Erfinder János Herner beschrieb seinen Entwurf so:

     „Ursprünglich sollte sie sich sogar bewegen“. „Ziel war, die Zeit auch plastisch, in der Entfernung darzustellen, deshalb sollte die 60 Tonnen schwere Sanduhr nicht einfach nur aufgestellt werden, sondern wäre auch langsam gerollt – daher auch die Form. Innerhalb von 87 Jahren wäre das Zeitrad von der Kunsthalle bis zur Ajtósi Dürer fasor gewandert".
    Wegen des enormen Gewichtes der Uhr wurde daraus nichts und man entschloss sich das Zeitrad hinter der Kunsthalle fest im Boden zu verankern


    Besonders in der Budapester Bevölkerung gab es viel Kritik zu dem Monumentalwerk. Unter anderem befand man die überdimensionierte Sanduhr als viel zu teuer. Das Kanzleramt in Budapest veröffentlichte eine Kalkulation in folgender Form:

    • Errichtung: 350 Mio. Forint (ca. 1,18 Millionen €)
    • Wartungskosten: 37 Mio. Forint (ca. 125.000,- €)
    • Bewachung: 3-4 Mio. Forint (ca. 14.000,- €)
    • Reinigung: 3-5 Mio. Forint (ca. 14.000,- €)
    • Techn. Betrieb: 3-5 Mio. Forint (ca. 14.000,- €)                                       (dazu sollten noch 12-14 Mio Forint(44.000,- €) benötigt werden, um in einem Büro ein Computernetzwerk für den Betrieb der Uhr einzurichten)
    Nun gut, meine Lebenszeit-Uhr wird nicht ganz so groß ..... dafür sind die Kosten auch etwas geringer.

    .

    Montag, 3. Oktober 2011

    Zeiger statt Farbe !

    Meine kürzlich erwähnte Sehnsucht nach Farbgeruch oder genauer gesagt nach Arbeit mit Farben war dann wohl doch nicht so stark .......

    Stattdessen kam eine Idee zur Gestaltung des großen Jahreszeigers, die wurde dann auch gleich umgesetzt.

    So sieht jetzt der Zeiger aus, mit dem die Lebenszeit vom 1. bis zum 100. Lebensjahr angezeigt werden  soll.
    Aus einem Messingblech geschnitten und mit dem Hammer in seine jetzige Form getrieben.
    Dann mit einer Buchse für die Zeigerwelle versehen und mit Zinn ausgewogen.
    Das Zinn-Gegengewicht ist notwendig, weil das Uhrwerk den schweren Zeiger mit  mehr als 40 cm Länge sonst nicht bewegen könnte.

    Der Zeiger nimmt das zentrale Baummotiv auf und beschreibt unter anderem durch seine ungleichmäßig gekrümmte Form das Auf und ab innerhalb eines Lebensjahres.

    Nochmal zur Erinnerung:                                                                             dieser Zentrale Jahreszeiger wird so stark verlangsamt, daß er hunder Jahre bräuchte, um eine komplette Umdrehung zu machen. 
    Die Markierungen auf dem großen Zifferblat sind so gesetzt, daß er jedes Jahr einzeln anzeigt. (auf dem Foto zeigt er z.B. knapp auf das 74. Lebensjahr)
     
    Jetzt ist aber wirklich wieder Zeit für Farbe - nachher geht es ins Atelier an die Arbeit.

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