Montag, 28. November 2011

Zeitzeuge

Nachdem ich getwittert hatte, dass Kunst immer auch politisch sei, wurde angefragt, was es denn mit der erwähnten Arbeit "Patera" auf sich hätte.

Dazu noch einmal Kurz: die Collage "Patera" ist zwischen 2004 und 2008 entstanden. Begonnen auf Teneriffa und nach meiner Rückkehr nach Deutschland auf Eiderstedt fertiggestellt.



In der Arbeit sind unter anderem Teile eines Flüchtlingsbootes verarbeitet, das  damals, von Afrika kommend, mit über 15 Menschen an die felsige Küste unseres Wohnortes gespült wurde.

Die Flüchtlinge, die noch (weg)laufen konnten wurden von der Guardia Civil eingefangen um in ein Auffanglager transportiert zu werden.
Andere lagen verletzt und entkräftet am Straßenrand.

Spätestens, als ich die am Boden liegenden Menschen sah, war mir klar, dass ich mit denen und ihrem Schicksal etwas zu tun hatte.



Seit genau einem Jahr hängt "Patera" als Dauerleihgabe in der St.Peter Kirche in St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. 

 
In der kommenden Woche bin ich dort wieder eingeladen, mit jungen Menschen über meine Arbeit zu sprechen -und über Menschen in Afrika, die ihr Leben riskieren, weil das Elend in dem sie leben offenbar größer ist, als ihre Angst, bei der waghalsigen Reise in winzigen Booten, das Leben zu verlieren.


Das Bootsflüchtlingsthema mit unzähligen Toten in Atlantik und Mittelmeer ist  immer noch aktuell,  ebenso die grundsätzliche Frage der ungleichen Verteilung der Güter auf der Welt. 
Wichtig für mich, das nicht zu vergessen, wenn ich mal wieder satt und zufrieden über Kunst oder Gott und die Welt nachdenke.



Sonntag, 27. November 2011

Achte gut auf diesen Tag

In einem älteren Post hatte ich geschrieben, dass auf der 24-Stundenanzeige der Lebenszeit-Uhr der Text "Achte gut auf diesen Tag...." zu lesen sei.
Ich habe auf vieles geachtet, nur nicht darauf, ob ich den bekannten Text aus dem Sanskrit auch veröffentlicht habe.....

Hatte ich nicht....  deshalb jetzt.




Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben -
das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf liegt alle seine
Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Größe der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.
Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch, recht gelebt,
macht jedes Gestern
zu einem Traum voller Glück
und jedes Morgen
zu einer Vision voller Hoffnung.
Darum achte gut auf diesen Tag.

Dschela ed-Din Rumi (1207 – 1273)
(aus dem Sanskrit)



Donnerstag, 24. November 2011

Von Zeit und Ewigkeit

Foto Quelle: Winkel "Die Zeit" cc-lizenz(by2.0)

Die Zeit

Stumm wage ich einen zaghaften Blick, hindurch die soliden Mauern der Trübheit,
verweile staunend vor dem Leben,
versuche die Ewigkeit zu ergreifen, welche in Sekunden an mir vorüber fließt.

Lautlos erschrocken blicke ich der Zeit ins Antlitz, Anmut und Schönheit,
vergesse ohnmächtig ihre unbändige Macht, dem Diesseits des Gemäuers scheint sie zu fliehen,
eilt ohne Mitleid an ihm vorbei.

Träumend wache ich, harre schaudernd in freudiger Trauer,
bewundere in Verachtung den flüchtigen Moment der allzu vergänglichen Gegenwart,
gebe mich hin, der verzehrenden Sehnsucht nach Einhalt.

Voller Wehmut flehe ich um Verbrüderung mit der Möglichkeit,
nein, wo selbst ein Sehen kaum erlaubt, kann auch mein Greifen keine Hoffnung bergen,
darf es niemals vereinen was mit dem Winde strebt.

Und doch, die Zeit, des Lebens Ewigkeit, entschlossen muss ich mich mit ihr verbünden,
denn siehe, der Nebel Ebene entweicht sie stets, nicht etwa mir.
Da, jenseits schwebt der Frühling vorbei, mit ihm will ich beginnen.

Montag, 21. November 2011

Von der Schwierigkeit sich von alten Bildern zu lösen.....

Wie schwer es mir gelegentlich fällt, mich von eigenen Vorgaben auf der Leinwand zu trennen - das heißt zu übermalen, ist mir heute im Atelier wieder einmal aufgefallen.

Nach 25 Jahren Arbeit mit Leinwand und Farbe ist das nicht gerade eine neue Erkenntnis. Ich kenne den Zustand.


Bei spontan, ungeplant begonnen Arbeiten, entsteht irgendwann vor meinem inneren Auge (bzw. im Kopf) ein fertiges Bild, das mir Gewissheit gibt,welche Form, welche Farbe auf die vorangegangene zu folgen hat.
Das ist eine Situation, in der die äusseren Umstände, innerer Zustand, Inspiration und verfügbares Material ein Ganzes bilden.
Das funktioniert, solange die Arbeit im Fluss bleibt, nicht unterbrochen wird, bis das "innere Bild" in ein fertiges Bild auf der Leinwand umgesetzt ist.
   
                                                                                                    

Anders bei Arbeiten die umfangreicher sind, länger dauern, immer wieder unterbrochen werden,wie z.B. bei der Lebenszeit-Uhr.

Aktueller Stand
In der Regel gehe ich ohne fertig ausgearbeiteten Entwurf an die Fortsetzung der unterbrochenen Arbeit.
Wenn ich beim Blick auf die angefangene Arbeit am alten "inneren Bild" im Kopf festhalte, obwohl sich Wahrnehmung, Emotionen, äußere Umstände  inzwischen verändert haben, behindert das die Weiterarbeit, die Entwicklung von etwas Neuem.
In solchen Augenblicken der inneren Blockade ist es eine  befreiende Erkenntnis, dass ich über mein Bild, meine Leinwand frei verfügen kann, wenn ich will, bis hin zur Zerstörung.



Was für eine wunderbare Freiheit, Altes einfach übermalen zu können, um zu neuen äußeren und inneren Bildern zu gelangen.

Das gilt für´s Malen ebenso, wie für´s richtige Leben.
Auch da ist es gelegentlich ein Segen, wenn es gelingt, sich von alten inneren Bildern zu lösen - eine andere Sicht auf´s eigene Leben zu gewinnen, um den Weg für Neues frei zu machen.





Samstag, 19. November 2011

Leben vor dem Tod - memento mori 6

Wieder im www eine so genannte "memento mori Uhr" gefunden, die an die Begrenztheit des Lebens erinnern soll.
Gerade heute, an einem grauen November-Samstag vor dem "Totensonntag", wird noch deutlicher, wie wichtig die richtige Interpretation des Endzeit-Hinweises ist. 

Nicht traurig depressives Beklagen des unvermeidlichen Todes ist gefragt, sondern besondere Wertschätzung jeder Minute des Lebens davor.





   Inschrift auf einer
   Sonnenuhr an einer
   Kirche aus dem 
   15. Jahrhundert
   im Lekorne District,
   in Mendionde,
   Pyrénées-Atlantiques, 
   Frankreich:

   Euskara(Baskisch): 
   "HILTZEAZ ORHOIT"     
    = "memento mori"
     sinngemäß: sei eingedenk, daß du sterben mußt

 

                                                     Wenn der Blick bisher häufiger auf die Grenzen und das Ende des Lebens gerichtet war, ist das sicher nur ein (wenn auch nicht unwesentlicher) Aspekt bei der Betrachtung des Lebenszeitverlaufs.....
                                                                                                             ......da aber meine aktuelle Arbeit nicht  Endzeit-, sondern Lebenszeit-Uhr heißt, werden natürlich auch künftig im Rahmen des Projektes alle Bereiche des Lebens aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet - und zwar sehr lebendig und sehr farbig.

Morgen geht es wieder ins Atelier.... und in absehbarer Zeit gibt es auch mal wieder eine Zwischenmeldung über den weiteren Verlauf der Arbeit an der Lebenszeit-Uhr.

.