Mittwoch, 29. Mai 2013

Zum entspannten Umgang mit Sanduhren



Ach!

Ach, noch in der letzten Stunde
werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Türe,
ruf ich geschwind: Herein!

Woran soll es gehn? Ans Sterben?
Hab ich zwar noch nie gemacht,
doch wir werd’n das Kind schon schaukeln —
na, das wäre ja gelacht!

Interessant so eine Sanduhr!
Ja, die halt ich gern mal fest.
Ach – und das ist Ihre Sense?
Und die gibt mir dann den Rest?

Wohin soll ich mich jetzt wenden?
Links? Von Ihnen aus gesehn?
Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
Und wie soll es weitergehn?

Ja, die Uhr ist abgelaufen.
Wollen Sie die jetzt zurück?                             
Gibts die irgendwo zu kaufen?
Ein so ausgefall’nes Stück

Findet man nicht alle Tage,
womit ich nur sagen will
— ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
Geht in Ordnung! Bin schon

Robert Gernhardt
Aus: Lichte Gedichte

Montag, 27. Mai 2013

Zwischenstand

Die Lebenszeit-Uhr 2 hat jetzt einen zentralen Zeiger bekommen.

Gestaltet aus Metall und  Krähenferdern symbolisiert er den Lauf der Zeit. - 

In der, anders als hier in der Bildanimation, ruhig und gleichmäßig verlaufenden Kreisbewegung, verweist der Zeiger auf den sich ständig wiederholenden Lebenskreislauf.  
Die verarbeiteten Krähenfedern stellen, an dem ansonsten stark erdverbundenen Objekt, eine Verbindung zum Element Luft her.

So langsam wird klarer, in welche Richtung sich die Arbeit entwickelt.
Ein guter Zwischenstand ist erreicht.


Es sind noch etliche  Schritte bei der künstlerischen und technischen Umsetzung zu machen.... es geht voran.






Freitag, 24. Mai 2013

Von Luxusproblemen, Leben und Tod

Zur Zeit bin ich am Kupferkorpus der Lebenszeit-Uhr 2 dabei, blank glänzende Stellen zu patinieren.

Während ich mich bemühe, den Alterungsprozess am Material der Uhr künstlich zu beschleunigen wird mir im Zusammenhang mit dem Thema Lebenszeit wieder einmal klar, mit welchen Luxusproblemen ich mich auseinander zu setzen habe - hier in Deutschland, satt und zufrieden , durchschnittliche Lebenserwartung männlich ca. 77,5  - weiblich 82,5 Jahre.



Weltkarte, auf der die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt in den UN-Mitgliedsstaaten farblich dargestellt wird (2006).Quelle Wikipedia


 


Hauptgrund für die geringe Lebenserwartung in den südlichen afrikanischen Ländern ist unter anderem die Verbreitung von HIV/AIDS (bei Erwachsenen zwischen 10% und fast 40%).                   Die Lebenserwartung in Swasiland, mit der höchste HIV-Rate der Welt, war von über 55 Jahren in den Achtzigerjahren auf 32 Jahre gefallen - 2015 stieg sie wieder auf 51,5 Jahre an. Zur gleichen Zeit war im Afrikanischen Land Tschad mit 49,8 Jahren die niedrigste Lebenserwartung zu verzeichnen.Im gesamten südlichen Afrika ist die Lebenserwartung seit Beginn der Neunzigerjahre um durchschnittlich neun Jahre gesunken.

 
Weitere Gründe sind hohe Kindersterblichkeit, mangelnde Hygiene, Hunger, Umweltkatastrophen sowie bewaffnete Konflikte und Kriege.

Wichtig, die Bedeutung der eigenen Arbeit immer wieder mal ins richtige Verhältnis zur Realität zu setzen.......


 

Mittwoch, 15. Mai 2013

Mit der Uhr in der Hand


Vier Tage werde ich in München und Regensburg sein - im Geist begleitet von Otto Reutter gelingt es mir möglicherweise die Zeit Uhrlos entspannt zu erleben.

 

Gedicht von Otto Reutter

Wir leben in ´ner eiligen, hastigen Zeit,                                        
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,                           
der eine, der schiebt heut den andern beiseite,                               
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.                                     

Wir drängen alle vorwärts, ob Hinz oder Kunz,
sind stets außer uns, und wir kommen nie zu uns,
denn wir werden mit uns ja nur flüchtig bekannt,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Der Tag beginnt schon in eiligem Lauf,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
der Wecker, der weckt uns, wir stehen schon auf
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Schnell ziehen wir uns an, und wir schlingen unseren Schmaus,
der ist noch nicht runter, da treten wir aus
und sitzen selbst dort an der hinteren Wand
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir turnen, wir trainieren, zum Masseur gehen wir hin,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
mal sind wir zu dick, mal sind wir zu dünn,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir gehn nie, sind auf dem Laufenden stets,
wenn wir mal wen treffen, dann fragen wir: Wie gehts?
Und eh der es uns sagt, sind wir weiter gerannt,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir fahren in die Ferien und sitzen am Strand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
erwarten die Post, den geschäftlichen Stand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Ein Buch mal zu lesen, das wär ein Genuß-
wir lesen den Anfang und schauen nach dem Schluß,
durchblättern den Goethe, druchfliegen den Kant,
mit er Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir machen eine Reise im Automobil,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
wir reisen nicht mehr, wir rasen zum Ziel,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Fragt man uns; die Gegend, die war wohl sehr schön.
Dann sagen wir ja und wir haben nichts gesehen,
denn wir fuhren bloß vorbei ohne Sinn und Verstand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Die Liebe, die Ehe betreiben wir als Sport,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
wir finden uns, verbinden uns und pflanzen uns fort,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Will sie ihn mal küssen, dann stellt er sich froh-
und denkt sich: Nun mach schon, ich muß ins Büro-
Und er drückt sie ans Herz und küßt sie galant,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

So eilen wir durchs Leben ohne Freud und Pläsier,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
da, plötzlich steht einer, ist mächtiger als wir,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Der sagt: Du brauchst nicht auf die Uhr mehr zu sehn,
denn meine geht weiter und deine bleibt stehn
und er winkt uns hinüber ins andere Land,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.


Otto Reutter  * 1870  † 1931 
 
 
 

Montag, 13. Mai 2013

Bewegung

Man könnte fast glauben, daß die Erde  in Tönning bebt.              Ganz so wild ist es nicht.  Es ist nur das Pendel der ..... 
 ............................... "Lebenszeit-Uhr 2" das zum Leben erweckt wurde. 

Wenn auch nicht gerade die Erde bebt, so ist es doch immer wieder für mich ein bewegendes Ereignis, wenn es es mir als Nicht-Techniker gelingt, technische Aufgaben so zu lösen, daß sie im Einklang mit dem künstlerischen Anspruch stehen.

Apropos künstlerischer Anspruch: inzwischen steht fest, daß ich bei der Gestaltung der Lebenszeit-Uhr 2 auf die konkrete Anzeige von zeitlichen Abläufen verzichten werde. 
Anders als bei der ersten Lebenszeit-Uhr mit ihren drei Zifferblättern, wird die jetzige Arbeit stärker duch die Form und die symbolische Darstellung von Zeit- und Bewegungsabläufen bestimmt. 

Damit weiche ich vom ursprünglichen Gedanken ab, aber das ist gut so.
Leben bedeutet Veränderung und Bewegung....